Manifest

zur Entwicklung der Fotosynthetischen Malerei

 

Definition der künstlerischen Absicht

 

Um meine persönliche Anschauung von einem kreativ arbeitenden Menschen zu verdeutlichen, ist es nicht erforderlich, um jeden Preis Bilder zu malen, sondern eigene Wirklichkeit, bewusster und unbewusster Art auszudrücken, in dem Metier, in dessen Handhabe man sich am besten versteht.

 

Der Versuch, das Unterbewusstsein bewusst in den Entstehungsprozess mit einzubeziehen, steht meiner künstlerischen Intention voran und endet in dem Versuch, die Rätsel die mir das Leben aufgibt, zu illustrieren. (Abb. „Seelenspiegel“ 65x104cm Öl auf Leinwand 1988)

Techniken:

Objektinszenierung

 

Ich stelle Objekte zusammen, die mir durchunterschiedliche Begebenheiten zugekommen sind. Meine Auswahl dieserObjekte lässt sich nicht als bloße Willkürbezeichnen, sondern liegt in der Faszination, die diese auf michausüben. Faszination entweder durch das Objekt selbst, oderdurch die Konstellation mit der Begebenheit, durch welche es mir zukam.

 

Ein dienliches Werkzeug für die weitere Behandlungdieser Objekte ist ein Glaskastenregal, welches teilweise mitSpiegeln ausgestattet ist. In ihm werden die Objekte zu einzelnenInszenierungen von mir zusammengestellt. Jede dieserObjektinszenierungen wird solange durch hinweg nehmen oder hinzufügenvon Objekten überprüft, bis sie sich für mich alsBildidee bestätigt.

Das weitere Umsetzen der Inszenierung in eineKomposition im Sinne der Malerei ist nur dann erstrebenswert, wenndie Inszenierung sich in ihrem Ausdruck hinsichtlich der Faszination,die sie auf mich ausübt, gesteigert hat. Diese Faszinationresultiert aus der Tatsache, dass die Inszenierungen aus demzweckfreien Spiel meines Denkens entstanden sind und meinenpersönlichen psychischen Automatismus beinhalten. Da den bis zurBildidee gereiften Objektinszenierungen keine direkten Themenvorausgingen, treibt mich die den Bildideen innewohnendeRätselhaftigkeit dazu, mich weiter auf der Leinwand mit dengewonnenen Bildideen zu beschäftigen. (Abb. „Männersache“65x95cm Öl auf Leinwand 1988)


Die nähere thematische Bestimmung der Bildideeentwickelt sich erst durch den Arbeitsprozess an der Leinwand und dendamit verbundenen Auseinandersetzungen mit den Fragen umProportionswahl, Komposition und farbige Gestaltung. DieFertigstellung der durch die Kräfte des Unbewussten gewonnenenGemälde offenbart sich im potentesten Falle als persönlicherWirklichkeitsspiegel, welchem seine eigene Rätselhaftigkeitjedoch nicht entzogen werden kann.

Collage per se

 

Wegen des oft sehr lange andauernden Arbeitsprozesses in der Technik der Objektinszenierung habe ich zu einer anderen Möglichkeit im Sinne meiner Intention, Bilder herzustellen, gegriffen. Bei dieser Möglichkeit handelt es sich um das Gestalten von Collagen aus unterschiedlichen Materialien. Die Collage bietet mir eine Erweiterung meiner Ausdrucksmöglichkeiten in mehrfacher Hinsicht. Einerseits erlaubt sie ein direktes Umsetzen der durch das zweckfreie Spiel des Denkens entstandenen Bildidee, andererseits macht die Collage, bedingt durch das Vorlagenmaterial, möglich, spontan zu gestalten im Hinblick auf den aktuellen Zeitgeist. (Abb. „Wintergarten“ 70x58cm Material-Collage 1991)

 

Die Art des Ausdrucks, die den Collagen zu eigen ist, wirkt auf mich in ähnlicher Weise rätselhaft und dadurch gleichzeitig faszinierend, wie die durch Objektinszenierung entstandene Art des Ausdrucks in den Gemälden. Die Ursache liegt für mich darin, dass in den Collagen verschiedene Sachverhalte zu einer Konstellation zusammengefügt werden, die dadurch einen für mich rätselhaften und zugleich erzählerischen Charakter erhält, vergleichbar mit dem Charakter der Objektkonstellationen.

Collage als Vorlage

 

Obwohl Collagentechnik im Prinzip mein Konzept bestätigt und meiner Intention gerecht wird, zeigen einige Collagen, bedingt durch das Vorlagenmaterial, Schwächen in ihren Proportionen. Um die Potentialität dieser durch Collagen entstandenen Bildideen zu steigern, werden diese Bildideen in das Metier der Malerei übertragen. (Abb. „Totentanz“ 90x180cm Öl auf Leinwand 1993)

Malerei  und Collage

 

Eine weitere Form der Bildherstellung im Sinne meiner Intention liegt im collagieren von Malerei, die ihrerseits aus schon erwähnten Methoden entstanden ist, mit Ausnahme von Gemälden, denen Modelle zugrunde liegen, welche jedoch in der Art ihres Auftretens von mir inszeniert wurden.

 

Die Notwendigkeit, einige dieser Gemälde teilweise zu Collagen umzugestalten, ergab sich für mich durch den Willen zur Provokation im Sinne einer bewussten Verfremdung und dem Drang, additiv, zusammenhangbildend und direkt auf das Vorhandene einzuwirken. (Abb. „Freidenker“ 105x85cm Öl und Collage auf Leinwand 1990)

Schlusswort

 

Der Traum bildet Erlebnisse des Unbewusstseins, die sich mit den Erlebnissen des Wachzustandes zu einem individuellen Dasein vereinen. Das Bewusstsein um diesen Zustand ermöglicht auf das eigene Ich bezogene, daseinsbedingte Wirklichkeit bzw. Wahrheit in Bildsprache zu manifestieren. Die thematische Bestimmung, welche durch die Titel der Bilder zum Ausdruck kommt, dient nicht der Auflösung des Rätselhaften, von dem gesprochen wurde, sondern der Differenzierung der verschiedenen Objektinszenierungen oder Collagen.

 

Im Übrigen, lehne ich es ab, mich interpretierend über meine Bildwerke zu äußern, da von mir eine möglichst autonome Bildsprache angestrebt wird.

 

Michael Münch

1992


Symbolische Gemälde 1987-1991

 

Wir lesen seine Bilderrätsel als Symbole unserer Lebensfragen. Michael Münch will Inhalte, Lebensstrukturen, Lebensgesetzmäßigkeiten darstellen – bewusst in zunächst verschlüsselter Form, um keine platten Thesen, keine Binsenweisheiten zu zeigen, sondern um sichtbare und unsichtbare Realitäten zu zeigen und zu entdecken.

 

Wir sind es, die entdecken und weiter denken, wir kehren die subjektive Position des Malers in unsere eigene um und überprüfen dabei die Stimmigkeit, indem wir das, was wir sehen, mit unserer Sicht der Wirklichkeit vergleichen. (Abb. „Durchblick“ 150x90cm Öl auf Leinwand 1991)

 

Es sind ganz einfache Dinge, die Michael Münch malt. Durch ihre intuitive und bewusste Konstellation im Malakt gewinnen die Gegenstände der Komposition plötzlich eine Bildidee, die zunächst gar nicht da war; Proportionen – z.B. Übergröße – und Farbbezüge provozieren im Betrachter auf einmal ein Thema, lösen eine Erzählung des Bildes im Betrachter aus.

 

Warum? Weil die Dinge und ihre Relationen untereinander als Symbole fassbar werden. Das Subjektive, das Unbewusste wird objektiviert in symbolische Formen, die in uns Erzählungen dessen auslösen, was hinter den Dingen liegt.

Formaler gesehen, sind die künstlerischen Themen diese: die Dinge unter sich, miteinander, gegeneinander: im Raum, in der Fläche, in Farbrelationen. Es sind Collagen von Wirklichkeit in surrealistischer Manier.

 

Michael Münch steht in der Tradition von Magritte, De Chirico und Max Ernst – im nur diese zu nennen – findet aber im einer Reihe von Bildern einen eigenen Stil.

Techniken, die seit dem Dadaismus benutzt werden, findet er tragfähig, weil die Entfremdung des einzelnen Dings umso intensiver auf seine Wirklichkeit und den Kontexte der ganzen Wirklichkeit hinweist, so ja auch schon in der Konsum-Dingwelt der Pop-Art, - denn: das Ganze der Welt, die ganze Wirklichkeit ist in ihrer heutigen Vielfalt und Verschleierung ohne Symbole nicht mehr malbar – ja, die gemalte Welt der religiösen Geschlossenheit war nie das ganze, immer nur die geglaubte Welt eines Einzelnen, einer Lehre. Die philosophischen Ding-Landschaften von Michael Münch eröffnen aber den Weg vom Teil zu Ganzheitsaspekten. (Abb. „Philosophie“ 130x95 Öl auf Leinwand 1991) 

Ulrich Bergmann

Lyriker


Laudatio der Fachhochschule Köln

 

Michael Münch studierte an der Fachhochschule Köln, Fachbereich Kunst, Freie Malerei.

 

Vom 1.9.1983 bis 1.9.1987 studierte er im Grundlagenbereich bei Prof. Alfred Strack und Ludolf Lenders. Später studierte er in den Malklassen von Prof. Marx und Prof. Schrievers. „Aktzeichen“ studierte er bei Prof. Koller.

 

Vom Wintersemester 1987/88 studierte Michael Münch in meiner Malklasse. Seine hohe künstlerische Begabung, die für ihn in jeder Hinsicht Antrieb ist, hat ihn befähigt, immer wieder ganz unbefangen zu experimentieren und seine Sicht der Dinge „bildnerisch zu artikulieren“.

 

Er erarbeitete sich eine poetische Variante des dem „Surrealismus“ an verwandten Stils.

 

Seine Bilder, die einen hohen – im positiven Sinn – dekorativen Wert haben, sind stark farbig, aber auch von einer differenzierten Farbkultur geprägt.

 

Michael Münch hat seine Arbeit häufig erfolgreich in der Öffentlichkeit zeigen können.

 

Er studierte bis zum Ende des Fachbereichs „Freie Kunst“ an der Fachhochschule Köln, dem 28.02.93, in meiner Klasse.

 

Professor Dieter Kraemer