Michael Münch

Fotosynthetische Malerei

"Götzendienst“ 120x195cm Öl auf Leinwand 2016
Fotosynthetische Malerei und Pop-Art                  english

 

Schon immer haben die Maler das dargestellt, was im Leben der Zeit wichtig und schön war.

Der Barockmaler verewigte reife Früchte, volle Weingläser und Wildgerichte in seinen Stillleben, weil das zum damaligen Geschmack gehörte. Andy Warhol bildete Suppendosen und Cornflakesschachteln ab, um den Lebensstil seiner Zeit wiederzugeben.

Der Hofmaler konterfeite seinen König oder illustrierte das Leben Jesu, weil das die wichtigsten Persönlichkeiten der damaligen Weltvorstellung waren. Andy Warhol druckte Portraits von Kino- und Musikstars, da die modernen Menschen sie für ihren Ideal nehmen.

 

Seitdem ist die Welt kleiner geworden. Früher sahen die Menschen ihre Welt in den Grenzen ihres Dorfes, ihrer Stadt oder ihres Landes von einer riesigen unbekannten und fremden Welt umgeben, von der man nicht viel wusste.

Heute haben wir einen sofortigen Zugriff auf Informationen von der ganzen Welt, Reisen dauern auch nicht mehr lange – wir können uns die weite fremdeWelt schnell nahe bringen. Der heutige Mensch ist mit mehreren Kulturen, Religionen, Sprachen vertraut und übernimmt von ihnenTeile für seine Weltvorstellung.

Man ist heute gewohnt,beinahe ununterbrochen mit Informationen von überall meistens inForm von Bildern konfrontiert zu sein, vieles gleichzeitig zu sehen,ganz schnell erkennen, zuordnen und verarbeiten zu müssen.


Soist es im „Glashaus“ (120x180cmÖl auf Leinwand 2010) – wir sehen in einem Gemälde Motive undGesichter als Repräsentanten der Politik und Religion, Medien undTraditionen. Assoziationen von Macht und Ruhm sind mit banalen,alltäglichen Motiven vermischt.


Die Medien zeigen, wiedas Leben sein soll, regen uns direkt durch Werbung oder indirektdurch Filme oder Presseberichte zum Konsum an. Alles was man sieht,ist zum raschen Verbrauch bestimmt, die Gesellschaft spiegelt sich imKonsum und Werbung wieder.

Bekannte Gesichter,eindeutige Szenen oder triviale Motive, genau solche, die in denIllustrierten oder Reklame vorkommen, wählt Michael Münch fürseine Bilder, weil sie treffend und nachdrücklich die Einstellungdem Leben gegenüber in westlichen Gesellschaften symbolisieren.

DieMotive in „Muttertag“ (120x130cmÖl auf Leinwand 2009) erinnern an durch Werbung und Illustriertesuggerierte „Heile Welt“, aber die schreiende Frau ist wohl mitall den Anforderungen solches Lebens überfordert – es kostet zuviel Kraft, die Musterfrau zu sein.


Schon Andy Warhol hat fürseine Kunst die Erkenntnis eingesetzt, dass die Fotografie und Filmeine herausragende Rolle im Bewusstsein des modernen Menschen bei derWahrnehmung der Realität spielen.

Michael Münch benutzt auch die filmischen Mittel bei der Formgestaltung seiner Gemälde – Totale, Großaufnahme, Bildschnitt und ähnlich dem Fotorealismus gemalte Motive erzeugen eine Realität für sich, der der Betrachter sich nicht entziehen kann. (Abb. „Sextherapie“140x120cm Öl auf Leinwand 2010)

 

Genau so wie Pop-Art, bedient sich die fotosynthetische Malerei der Medien und schreckt vor keiner Trivialität zurück, um den kollektiven Zeitgeist zu verkörpern.

 

Die Anhäufung verschiedener Symbole auf einer Leinwand bricht die gewöhnliche Assoziationskette, lässt den Betrachter nachdenken, erzeugt den Effekt der Verfremdung. Alles scheint nicht das zu sein, was es sein sollte, die Produkte und Ideologien, die sich hinter den Symbolen verbergen, werden in Frage gestellt, nach ihrer Wirklichkeit geprüft.

Nadeshda Münch
2009

ÜberFotosynthetische Malerei


Der Begriff „Kunst“ beinhaltet Können undKünden und ein Künstler wählt eine Technik, die ihmermöglicht das zu künden was er sich vorstellt, und denanderen Menschen seine Gedanken und Anschauungen zu übermitteln.

Während des Studiums an der Fachhochschule Kölnentwickelte Michael Münch einen eigenen Malstil, eine poetischeVariante des Surrealismus, den er Fotosynthetische Malerei nennt.

Schon in der Zeit des Dadaismus entwickelte Technikder Collage entspricht am besten der künstlerischenAbsicht von Michael Münch. Dabei glaubt der Maleran das „Raub-Genie“, das, F.Nietzsche zitierend, „...entsteht,wenn jemand unbedenklich von jung an alles Gute, … als freie Beutebetrachtet. Nun liegt alles Gute vergangener Zeiten und Meister freiumher, eingehegt und behütet durch die verehrende Scheu derWenigen, die es erkennen: diesen wenigen bietet jenes Genie … Trotzund häuft sich einen Reichtum auf, der selber wieder Verehrungund Scheu erzeugt.“ (Abb. "Zeitvertrag" 54x72cm Öl auf Leinwand 2004)

Denn für seine Collagen verwendet Michael MünchMotive aus allen möglichen Quellen – Büchern,Illustrierten, Zeitungen, Postern, eigenen Fotos, etc. - Quellen, dieuns jeden Tag neue Bilder und Eindrücke liefern – ohneZusammenhang, schnell abwechselnd, neu, interessant und gleich wiedervergessen. Darüber sagt der Künstler selbst: „Das für dieFotosynthetische Malerei notwendige Vorlagenmaterial bildet dieVoraussetzungen für die durch spontane Inspiration entstehendenBildideen (Collagen), welche das Mittel sind, bildsprachlicheInformationen über mein persönliches Unterbewusstes und über einallgemeines Unterbewusstes in der Fotosynthetischen Malerei zumanifestieren, zum Zwecke persönlicher oder allgemeinerWahrheitsfindung.“

Das schon von Surrealisten angewandte Verfahren despsychischen Automatismus ruft das Unterbewusste hervor, hilftdem Künstler sein eigenes Leben zu reflektieren und sich zudefinieren. Dabei werden neue Bildinhalte gewonnen oder bekannteThemen auf eine andere, zeitgemäße Weise dargestellt.

Der Begriff „FotosynthetischeMalerei“ kommt von Foto (Bild) und Synthese (Verknüpfung zueiner Einheit).

An dieser Stelle muss man auf die Ähnlichkeitdes Begriffs der Fotosynthese aus der Pflanzenwelt mit derfotosynthetischen Malerei hinweisen. Bei der Fotosynthese derPflanzen handelt es sich um den Aufbau chemischer Elemente unterEinwirkung von Licht, was zum Wachstum der Pflanze führt. Beider Fotosynthetischen Malerei ist das vorhandene Bildmaterial allerArt vergleichbar mit den in der Pflanze vorhandenen chemischenBauteilen. Die geistesgegenwärtige Handlungsweise durchspontane Inspiration (Manipulation des Bildmaterials), woraus neueBildinhalte (Collagen) entstehen, ist ähnlich dem Sonnenlicht,das den Verknüpfungsprozess veranlasst.

Die im fotosynthetischen Verfahren entstandenenCollagen sind kein Selbstzweck und werden von Anfang an alsbearbeitungsbedürftig gesehen. Eine Collage an sich genügt dem Maler als Kunstwerk nicht, weil sie oft den ästhetischenVoraussetzungen eines Gemäldes (Kompositionsgesetze,Proportionen, Farbgebung...) nicht entspricht. So werden die Collagendurch Zeichnung und im darauf folgenden Malakt diesbezüglichverbessert. Michael Münch arbeitet in Öl auf Leinwand inrealistischer Manier, so dass die dargestellten Objekte unbedingt alssolche in dem gegebenen Zusammenhang erkennbar sind und derBetrachter mit dieser neuen Realität konfrontiert wird.

„Die Rätsel, die das Leben aufgibt“, dieschon Giorgio de Chirico faszinierten, versucht auch MichaelMünch in seinen Werken festzuhalten. Die Poesie, die deneinfachen Sachen und Situationen inne lebt wird durch die Bilder demBetrachter nahe gebracht, man sollte für einen Moment stehenbleiben und nachdenken – über sich selbst und die Anderen,über das Leben. So wie de Chirico betrachtet Michael Münchjedes Ding, auch den Menschen, als Sache. Solche Entfremdung weistauf die Wirklichkeit des Objekts im Kontext. Auch Rene Magrittestrebte in seinem Denksystem die befreiende Enthüllung an –Befreiung von geistigen Gewohnheiten, die uns von der Außenweltaufgezwungen werden.

Giorgio de Chirico und Rene Magritte sieht MichaelMünch als seine geistigen Väter, noch einen Aphorismus vonF.Nietzsche „Drei Denker gleich einer Spinne“ zitierend - „...der erste erzeugt aus sich den Saft und Samen, der zweite zieht ihnzu Fäden aus und spinnt ein künstliches Netz, der drittelauert in diesem Netz … und versucht, von der Philosophie zuleben.“

Genauso wie de Chirico und Magritte stellt MichaelMünch meistens „vertraute Gegenstände“ dar – inseinem Bildvokabular sind Gesichter, Planeten, Palmen, Rosen... -alles gewöhnliche und bekannte Sachen – nur treten siemiteinander in neue Beziehungen, es entsteht eine offene Struktur –offen für Rätsel und Poesie. (Abb. "Inselbewusstsein" 65x74cm Öl auf Leinwand 2004)

Fotosynthetische Malerei versucht, die Grenzenzwischen der gegenständlichen und abstrakten Malerei aufzulösen,da der Künstler die für ein Gemälde ausgewähltenMotive wie abstrakte Elemente behandelt. In das lineare Bildgerüstwerden Bildabschnitte, die konkrete Dinge darstellen, nach Gesetzengegenstandsloser Bildkonstruktion statt geometrischer Figuren oderFarbflächen (wie z.B. bei H.Arp „Horizontal-vertikaleKomposition“) eingesetzt. Die einzelnen Elemente werden durchFarbharmonie zusammengehalten, aber oft kann man nicht bestimmen,welches der Motive die Hauptsache des Gemäldes ist, was denAssoziationen die größte Freiheit lässt. (Abb. "Skandalmenü" 120x160 Öl auf Leinwand 2009)

In seinen Gemälden lässt Michael Münchoft von der klassischen Zentralperspektive ab - in der Mitte seinerBilder ist oft „Nichts“. Das lässt den Blick frei überdie Leinwand wandern und irgendwann schließt sich der Kreis unddie vom Bild erzählte Geschichte erscheint aus dem „Nichts“.

So ist es bei „Dimensionenstreik“(100x120cm Öl auf Leinwand 2008). Dasteht links ein kleines Mädchen und schaut empor, in den Himmel– ins Nichts. Im Hintergrund ein gewaltiger Brand, den die kleinen,ganz am Bildrand umher stehenden Menschen nicht mehr unter Kontrollehaben. Und von rechts schaut eine an eine griechische Göttinerinnernde Figur auf das Schauspiel nieder. Ist das das letzte Erdöl,das da verbrennt und mit ihm unsere Zivilisation? Ist das die leerekalte Erde, die die Menschen zugrunde gerichtet haben, die da obenschwebt? Das Mädchen sucht nach Hilfe, sie selbst kann ja nichtstun – ihr fehlen die Hände dafür. Aber die Göttinhilft nicht – sie scheint sich für die Menschen nichtbesonders zu interessieren, sie ist selbst ziemlich angeschlagen. DieFigur ist unvollständig und man kann durch sie hindurch auf eineweite leere Fläche mit einem erhellten Horizont schauen –wieder ins Nichts. Und oben im „Himmel“ des Bildes hinter dem„Himmel“ mit dem Brand – ein geflügelter Fisch aus Stein –ein Sinnbild für Träume und Schlösser aus Wolken aufSand, die über das Ganze vielleicht noch nicht zusammenbrechen?

Michael Münch vertritt die Meinung, dass einGemälde nicht nur als Selbstzweck Kunstwerk ist, sondern auchein Dekorationsgegenstand für einen Raum. Daher seine Bestrebungnach Ästhetik sowohl bei der Wahl der Motive, als auch bei derFarbgebung, für die viele reine und leuchtende Tönecharakteristisch sind. Denn nur wenn das ästhetische Empfindendes Betrachters erweckt ist, kann er über ein Gemäldenachdenken und davon fasziniert werden, wenn auch zuerst von denschönen Farben und erst dann von dem Dargestellten zu eigenenGedanken kommen.

Andererseits versucht Michael Münch dieHerkunft seiner Bilder von einer Collage nicht zu vertuschen. ImGegensatz lässt er bewusst die Schnittkanten und fremdartigeHintergründe auf seinen Gemälden sichtbar, was denschnellen und ruckartigen Wechsel der Bilder und Situationen im Lebenveranschaulicht. Der heutige Mensch soll sich in verschiedenenSituationen und an verschiedenen Orten völlig verschiedenverhalten – zu Hause, im Job, auf der Straße soll man die vonder Gesellschaft vorgegebene Rollen spielen, die oft zueinander imWiderspruch stehen. Sie sind wie einzelne Bilder, die auf einerLeinwand nebeneinander alle gleichzeitig zu sehen sind – undzusammen gebracht werden müssen.

Die Aufteilung des Gemäldes in voneinanderabgegrenzte Einzelbilder treffen wir oft bei den Altären. Docherzählt ein Altarbild nur eine bestimmte, vorgegebene Geschichtein ihren nacheinander folgenden Szenen nach, man soll sich dabei aneine bekannte Geschichte erinnern. Dagegen ruft ein fotosynthetischesGemälde eine neue, nirgends festgehaltene, persönlicheGeschichte des Künstlers und gleichzeitig eine Geschichte desjeweiligen Betrachters hervor. In einem fotosynthetischen Gemäldetreten verschiedene Genres nebeneinander auf, was den Assoziationenfreien Lauf lässt.

Die Auswahl der Motive und ihre Zusammensetzung zurCollage und einem Ölgemälde sind oft von privatenErlebnissen und persönlichen Empfindungen des Künstlersbestimmt, jedoch können die Bilder auch bei den anderen Menschenähnliche oder sogar gleiche Assoziationen hervorrufen. DerBetrachter vergleicht das Dargestellte mit seiner eigenen Denkweise,überprüft es – so wird das Subjektive zumAllgemeingültigen. Die Kunst ist menschennah, obwohl derKünstler sich dadurch selbst reflektiert.

So in „Baukasten“ (120x160cm Öl auf Leinwand 2009). Hier sehen wir einen Menschen von verschiedenen Perspektiven – ein Kind und ein Erwachsener, allein, im engen Kreis und in der Gesellschaft. Jedes einzelne Bild ist durch einen Rahmen abgegrenzt, jedoch verbindet die Farbgebung die Motive, so wie das Innenleben des Menschen ihn in allen Situationen bestimmt. Der Mensch wird im Leben mit vielen Sachen konfrontiert und davon beeinflusst – Natur und vom Menschen geschaffenes, Kunst und Religion, Medien und Gesellschaft – sie alle umgeben das kleine Kind (das Portrait des Künstlers), das für alles offen und empfänglich ist – und erst später sich darüber ein eigenes Bild machen wird – so wie Michael Münch dieses. Man kann beim Betrachten des Gemäldes über vieles nachdenken – über Schönheit der Natur – die unberührte Landschaft entführt in Traumwelten, wo auch freie Vögel zu Hause sind. Aber auch Schönheit der Kunst oder Schönheit der Zusammengehörigkeit mit anderen Menschen , die eine gemeinsame Idee verbindet. Und Trauer und Tod gehören auch zum Leben – hier durch Grablegung Christi dargestellt – jedoch ist der Tod nicht das Ende – die Idee, der der Mensch sein Leben gewidmet hat, lebt weiter.

Im Brockhaus-Lexikon lesen wir: „...für das Verständnis und die Deutung eines Zeitalters ist die Kunst aufschlussreich, da sein Gestaltungswille in ihr ungebrochen zum Ausdruck kommt und geistige Wandlungen sich in der Kunst oft am frühesten ankündigen.“ (Abb. "Szenenwechsel" 74x80cm Öl auf Leinwand 2006)

Michael Münch betrachtet die Gegenwart als ein Medienzeitalter, wo Menschen durch Reklame zu konsumfreudigenVerbrauchern manipuliert werden, die ihre Lebensweise auf Kosten der Natur und ungeachtet der Folgen fortsetzen sollen. Diese Kulturarbeitet mit Wort und Bild, also nutzt Michael Münch ihre eigenen Mittel, um der Medienkultur einen Spiegel vorzuhalten. Die Bilderflut, die dem heutigen Menschen von den Bildschirmen, Reklameschildern, Seiten der Illustrierten entgegen strömt, ist so stark, dass man die ganze darin enthaltene Information unmöglich verarbeiten kann und unbewusst manipuliert wird. Michael Münch nimmt die gleichen Bilder, verknüpft sie aber auf eine andere Weise zur festen Einheit, einem statischen Bild, worüber der Betrachter sich in aller Ruhe seine Gedanken machen und eine Geschichte ausdenken kann. Dadurch wird dem Menschen die ihn umgebende Welt bewusst gemacht, er fängt an, sie zu reflektieren und zu hinterfragen. Oft wird das Unterbewusste, das den Menschen bewegt, ans Licht gebracht, objektiviert.

 Die Motive, die in „Gesetzlücke“ (135x105cm Öl auf Leinwand 2009) zusammengefügt sind, erinnern an das Umschalten von Fernsehsendern – Sujets, Landschaften, Tiere, Menschen wechseln ohne Zusammenhang. Michael Münch wählt oft besonders markante, schon einzeln genommen plakativ, sogar aufdringlich wirkende Motive, um seine Absicht noch deutlicher zu machen. So starren im Bild die weit aufgerissenen erschrockenen Augen den Betrachter an – ist es ein Alptraum? Aber da liegt doch am Strand einer idyllischen Bucht ein friedlich schlummerndes Pärchen – ist alles in Ordnung? Die Wechselwirkung von Tier und Mensch wirft weitere Fragen auf. Die Giraffe ist von Natur aus groß – de Mann kommt sich auch sehr groß und bedeutend in seiner großen Stadt vor – ist er das wirklich? Die Aggressivität des Sauriers ist ihm nicht wegzudenken – die als Domina angetane Frau mit Ketten und Lederkluft will auch so wirken – warum? Ist der kleine Affe, der so neugierig blickt der Betrachter selbst oder ein Sinnbild des satirischen Gelächters über das Menschenleben? Der Titel „Gesetzlücke“ unterstreicht das Problem – die Gesetze der Natur sind präsent, die menschlichen Gesetze sind gemacht und unvollkommen – und die Lücke – sie ist zwischen dem Menschen und der Natur – vielleicht hat der Mensch sie selbst geschaffen, so kann er sie auch schließen, wenn er mit der Natur zusammen lebt, denn die Tiere sind im Bild, wie auch in der Natur dem Menschen nicht untergeordnet – sie sind genauso wichtig und bedeutend.

Nadeshda Münch
2008
 

 

Manifest

zur Entwicklung der Fotosynthetischen Malerei

 

Definitionder künstlerischen Absicht


Ummeine persönliche Anschauung von einem kreativ arbeitendenMenschen zu verdeutlichen, ist es nicht erforderlich, um jeden PreisBilder zu malen, sondern eigene Wirklichkeit, bewusster undunbewusster Art auszudrücken, in dem Metier, in dessen Handhabeman sich am besten versteht.


DerVersuch, das Unterbewusstsein bewusst in den Entstehungsprozess miteinzubeziehen, steht meiner künstlerischen Intention voran undendet in dem Versuch, die Rätsel die mir das Leben aufgibt, zuillustrieren. (Abb. „Seelenspiegel“ 65x104cm Öl aufLeinwand 1988)

Techniken:

Objektinszenierung

Ich stelle Objekte zusammen, die mir durchunterschiedliche Begebenheiten zugekommen sind. Meine Auswahl dieserObjekte lässt sich nicht als bloße Willkürbezeichnen, sondern liegt in der Faszination, die diese auf michausüben. Faszination entweder durch das Objekt selbst, oderdurch die Konstellation mit der Begebenheit, durch welche es mir zukam.


Ein dienliches Werkzeug für die weitere Behandlungdieser Objekte ist ein Glaskastenregal, welches teilweise mitSpiegeln ausgestattet ist. In ihm werden die Objekte zu einzelnenInszenierungen von mir zusammengestellt. Jede dieserObjektinszenierungen wird solange durch hinweg nehmen oder hinzufügenvon Objekten überprüft, bis sie sich für mich alsBildidee bestätigt.

Das weitere Umsetzen der Inszenierung in eineKomposition im Sinne der Malerei ist nur dann erstrebenswert, wenndie Inszenierung sich in ihrem Ausdruck hinsichtlich der Faszination,die sie auf mich ausübt, gesteigert hat. Diese Faszinationresultiert aus der Tatsache, dass die Inszenierungen aus demzweckfreien Spiel meines Denkens entstanden sind und meinenpersönlichen psychischen Automatismus beinhalten. Da den bis zurBildidee gereiften Objektinszenierungen keine direkten Themenvorausgingen, treibt mich die den Bildideen innewohnendeRätselhaftigkeit dazu, mich weiter auf der Leinwand mit dengewonnenen Bildideen zu beschäftigen. (Abb. „Männersache“65x95cm Öl auf Leinwand 1988)


Die nähere thematische Bestimmung der Bildideeentwickelt sich erst durch den Arbeitsprozess an der Leinwand und dendamit verbundenen Auseinandersetzungen mit den Fragen umProportionswahl, Komposition und farbige Gestaltung. DieFertigstellung der durch die Kräfte des Unbewussten gewonnenenGemälde offenbart sich im potentesten Falle als persönlicherWirklichkeitsspiegel, welchem seine eigene Rätselhaftigkeitjedoch nicht entzogen werden kann.

Collageper se


Wegen des oft sehr lange andauernden Arbeitsprozesses inder Technik der Objektinszenierung habe ich zu einer anderenMöglichkeit im Sinne meiner Intention, Bilder herzustellen,gegriffen. Bei dieser Möglichkeit handelt es sich um dasGestalten von Collagen aus unterschiedlichen Materialien. Die Collagebietet mir eine Erweiterung meiner Ausdrucksmöglichkeiten inmehrfacher Hinsicht. Einerseits erlaubt sie ein direktes Umsetzen derdurch das zweckfreie Spiel des Denkens entstandenen Bildidee,andererseits macht die Collage, bedingt durch das Vorlagenmaterial,möglich, spontan zu gestalten im Hinblick auf den aktuellenZeitgeist. (Abb. „Wintergarten“ 70x58cm Material-Collage 1991)


Die Art des Ausdrucks, die den Collagen zu eigen ist,wirkt auf mich in ähnlicher Weise rätselhaft und dadurchgleichzeitig faszinierend, wie die durch Objektinszenierungentstandene Art des Ausdrucks in den Gemälden. Die Ursache liegtfür mich darin, dass in den Collagen verschiedene Sachverhaltezu einer Konstellation zusammengefügt werden, die dadurch einenfür mich rätselhaften und zugleich erzählerischenCharakter erhält, vergleichbar mit dem Charakter derObjektkonstellationen.

Collageals Vorlage


Obwohl Collagentechnik im Prinzip mein Konzept bestätigtund meiner Intention gerecht wird, zeigen einige Collagen, bedingtdurch das Vorlagenmaterial, Schwächen in ihren Proportionen. Umdie Potentialität dieser durch Collagen entstandenen Bildideenzu steigern, werden diese Bildideen in das Metier der Malereiübertragen. (Abb. „Totentanz“ 90x180cm Öl aufLeinwand 1993)

Malerei  und Collage

 

Eine weitere Form der Bildherstellung im Sinne meiner Intention liegt im collagieren von Malerei, die ihrerseits aus schon erwähnten Methoden entstanden ist, mit Ausnahme von Gemälden, denen Modelle zugrunde liegen, welche jedoch in der Art ihres Auftretens von mir inszeniert wurden.

 

Die Notwendigkeit, einige dieser Gemälde teilweise zu Collagen umzugestalten, ergab sich für mich durch den Willen zur Provokation im Sinne einer bewussten Verfremdung und dem Drang, additiv, zusammenhangbildend und direkt auf das Vorhandene einzuwirken. (Abb. „Freidenker“ 105x85cm Öl und Collage auf Leinwand 1990)

Schlusswort

 

Der Traum bildet Erlebnisse des Unbewusstseins, die sich mit den Erlebnissen des Wachzustandes zu einem individuellen Dasein vereinen. Das Bewusstsein um diesen Zustand ermöglicht auf das eigene Ich bezogene, daseinsbedingte Wirklichkeit bzw. Wahrheit in Bildsprache zu manifestieren. Die thematische Bestimmung, welche durch die Titel der Bilder zum Ausdruck kommt, dient nicht der Auflösung des Rätselhaften, von dem gesprochen wurde, sondern der Differenzierung der verschiedenen Objektinszenierungen oder Collagen.

 

Im Übrigen, lehne ich es ab, mich interpretierend über meine Bildwerke zu äußern, da von mir eine möglichst autonome Bildsprache angestrebt wird.

 

Michael Münch

1992